Aotearoa – Land der langen weißen Wolke, nannten die Maori die uns als Neuseeland bekannte Insel. Das haben die schon gut gesehen damals. Das mit der weißen Wolke.
Die Berge erinnern an die Alpen. Sie heißen sogar gleich. Mount Cook ist mit 3724m der höchste Berg des Landes. Oben befinden sich Gletscher, so etwas sehe ich hier zum ersten Mal. Außerdem ist Milford Sound, der gar kein Sound, sondern ein Fjord ist, einer von zwei Orten auf der Welt, an dem man Gletscher und Regenwald gleichzeitig sehen kann. Ich habe einem Freund ein Foto geschickt und gesagt, der zweite Ort sei immer da, wo er ist, weil er jetzt dieses Foto hat. In echt ist es Patagonia in Chile. Ich glaube manchmal darf man lügen.
Ein Fjord ist ein Gletscherwassertal, das mit dem Meer verbunden ist. Sounds gibt es nur auf der Nordinsel. Das sind Flüsse, die mit dem Meer verbunden sind und mit dem Meerwasser überflutet wurden.
Neuseeland gehörte zu Gondwana. Es war spät, als ich herausgefunden habe, dass Gondwana und Pangaea keine Fantasiewörter meines Vaters für unser WLAN-Zugänge sind, sondern Urkontinente. Für mich wird Pangaea an erster Stelle immer das Wohnzimmer in Forsbach sein. Bei Dingen, die so eine Tatsächlichkeit annehmen ist es schwierig sich zu entwöhnen. Vielleicht ist es auch gar nicht nötig. Neuseeland liegt an der konstruktiven Grenze zwischen Australischer und Pazifischer Platte. Das führt zu Erdbeben und Vulkanen. Die Nordinsel möchte ich beim nächsten Mal besuchen. Vielleicht reicht es auch, wenn ein Freund sie besucht und darüber schreibt.
Wir haben einen Kea gesehen. Neuseeland hat es echt gut mit uns gemeint. Die ersten Tage war strahlendblauer Himmel und die 24 Grad haben sich wärmer angefühlt. Davon hatte mir mein Mitbewohner schon erzählt. Er meinte, wenn die Sonne scheint, fühlt es sich wärmer an. Danach wurde die bezeichnende weiße Wolke immer größer, bis wir uns auf dem Berg umschauten und nur noch weiß sahen. Weiß und eben den Kea, den Bergpapagei. Von außen sieht er unscheinbar aus, wenn auch groß. Eher wie ein Falke. Er erinnert mich an einen Dinosaurier. Erst wenn er seine Flügel ausbreitet, kommen die orangenen und blaugrünen Federn zum Vorschein. Ich höre das Klicken der Kameras neben mir. Nach wenigen Sekunden wieder Stille. Alle schauen und warten darauf, dass er wieder seine Flügel ausbreitet. Wahrscheinlich weiß der Kea gar nicht, dass seine Flügel diese Farben haben. Wahrscheinlich wundert er sich, worauf wir warten, was wir in ihm sehen. Er ist jemand, den er selbst nicht sieht.
Wo spielt In Einem Land Vor Unserer Zeit, gebe ich in die Suchleiste ein. Nicht nur der Kea erinnert mich an Dinosaurier. Eigentlich kann ich die ganze Autofahrt lang an nichts anderes denken. Ich glaube es sind die Berge und die Farben. Dinosaurierfarben. Braun und grün, vor allem grün. Ich habe zum ersten Mal Polarlichter gesehen. Ooh ich fass das nicht, hat meine Mutter auf das Foto geantwortet. Ich wusste gar nicht, dass man das so weit im Süden sehen kann.– Aurora Australis, die Südlichter, sind sogar nur im Süden sichtbar. Das, was ich gesehen habe, hängt irgendwie damit zusammen, dass Zeug von der Sonne durch das Magnetfeld der Erde Richtung Pol gelenkt wird und in der Atmosphäre mit anderem Zeug zusammentrifft, was zum Leuchten führt. Auf dem Heimweg lagen wir auf dem Deck des Boots mit den Köpfen beieinander. Erneut dachte ich, dass die Maori recht hatten. Die Milchstraße spannte weit ihre Flügel aus über den Himmel wie eine lange weiße Wolke. Eine Sternenwolke. Es wurde kälter, also dachte ich an Wärme. Wir waren ruhig, aber der Wind war laut, nur übertönt von unseren Ausrufen bei Sternschnuppen. Oh und so vielen in dieser sternklaren Nacht. Ich glaube sie war mondlos. Mein Bruder hat mir beigebracht, dass es im Weltraum kein oben und kein unten gibt. Wenn man meint zu den Sternen hinaufzuschauen, solle man sich also vorstellen, hinabzuschauen, während einen nur die Schwerkraft an die Erde hält. Das übe ich noch. Ein Freund meinte er sei neidisch, weil der Südhimmel hübscher als der Nordhimmel sei, vor allem um Juli rum. Ich weiß, dass er damit etwas anderes meinte, ich glaube es ging ihm um die Sternzeichen. Aber es ist März und ich freue mich auf Juli. Ich glaube er hat recht, das hat er meist.
Herbst im März. YWAM glücklich.
Auf dem Weg zur Church of the Good Shepherd überqueren wir eine Brücke. Sie ist 125m lang und der 51m lange Mittelteil hat keine Stütze. Unsupported is never good, sagt Colton. Er und Eva sind seit 5 Jahren zusammen. Ich glaube, er weiß, wovon er spricht. Die nächste Kirche, die wir sehen ist in unserem letzten Stopp in Queenstown. Christchurch war uns zu übertrieben.
